Husten beim Pferd wird oft als Kleinigkeit abgetan. Manchmal ist es der erste Hinweis auf eine der häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt.
In diesem Artikel:
- Was ist RAO – und warum heißt es jetzt equines Asthma?
- Wie verbreitet ist RAO wirklich?
- Was im Körper des Pferdes passiert
- Die häufigsten Auslöser – Staub, Ammoniak, Schimmelsporen
- Symptome erkennen – von leichtem Husten bis Dämpfigkeit
- Diagnose – wie der Tierarzt RAO feststellt
- Stallmanagement – die wichtigste Maßnahme überhaupt
- Wo Zeolith und natürliche Unterstützung ihren Platz haben
- FAQ – die häufigsten Fragen
Wenn Husten keine Kleinigkeit ist
Im Stall hört man es oft. Ein kurzes Husten beim Aufsatteln. Ein Räuspern wenn das Heu aufgeschüttelt wird. „Das hat er schon immer, ist nicht so schlimm" – ein Satz der in vielen Stallgassen fällt.
Manchmal ist das wirklich harmlos. Und manchmal ist es der erste, leise Hinweis auf eine der häufigsten chronischen Erkrankungen bei Pferden überhaupt: RAO – Recurrent Airway Obstruction (wiederkehrende Atemwegsobstruktion, zu Deutsch etwa „wiederkehrende Verengung der Atemwege").
Was ist RAO – und warum heißt es jetzt equines Asthma?
RAO ist eine chronische, nicht-infektiöse (nicht durch Bakterien oder Viren verursachte) Entzündung der tiefen Atemwege bei Pferden. Früher kannte man die Erkrankung unter verschiedenen Namen: COB (Chronisch Obstruktive Bronchitis), COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) oder schlicht „Dämpfigkeit".
Heute fasst die Veterinärmedizin all diese Begriffe unter einem neuen Oberbegriff zusammen: Equines Asthma. Dieser Sammelbegriff unterscheidet zwei Schweregrade:
IAD (Inflammatory Airway Disease – entzündliche Atemwegserkrankung): die mildere bis moderate Form, die vor allem jüngere Pferde betrifft.
RAO (Recurrent Airway Obstruction): die schwere Form, oft auch als „heaves" bezeichnet, die meist bei mittelalten und älteren Pferden auftritt.
Die Erkrankung zeigt auffallend viele Parallelen zum menschlichen Asthma – weshalb erkrankte Pferde in der Forschung sogar als Modell für die Untersuchung menschlicher COPD-Erkrankungen dienen.
Wie verbreitet ist RAO wirklich?
Die Zahlen sind eindrucksvoll – und sollten jeden Pferdemenschen aufhorchen lassen.
Severe equine asthma (die schwere Form, RAO) betrifft schätzungsweise 10 bis 15 Prozent aller Pferde die in konventioneller Stallhaltung in gemäßigten Klimazonen gehalten werden. Bei älteren Pferden steigt diese Zahl noch weiter: Mehr als 50 Prozent der 12- bis 14-jährigen Pferde zeigen bereits Anzeichen einer chronisch obstruktiven Bronchitis.
Das bedeutet: RAO ist keine seltene Ausnahme. Es ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen in der gesamten Pferdepopulation.
Was im Körper des Pferdes passiert
Um zu verstehen warum RAO entsteht, hilft ein Blick auf die Herkunft des Pferdes.
Pferde sind mit ihrem großen Lungenvolumen für ein Leben im Freien gemacht – für die offene Steppe, für ständige Bewegung, für saubere Luft. Die Haltung im Stall stellt für die empfindlichen Atemwege eine völlig andere Umgebung dar als die, für die sie evolutionär geformt wurden.
Wenn ein für RAO anfälliges Pferd mit Allergenen (Substanzen die eine überschießende Immunreaktion auslösen) wie Staub, Schimmelsporen oder Pollen in Kontakt kommt, reagiert das Immunsystem über. Es kommt zu einer massiven Einwanderung von neutrophilen Granulozyten (eine Art weißer Blutkörperchen, die normalerweise Krankheitserreger bekämpfen) in die Atemwege.
Das Ergebnis sind zwei Probleme gleichzeitig: Bronchospasmus (eine schmerzhafte Verkrampfung der kleinen Atemwege) und eine vermehrte Schleimproduktion. Beides zusammen verengt die Atemwege erheblich – das Pferd bekommt buchstäblich schlechter Luft.
Besonders untersucht wurden dabei zwei spezifische Auslöser: Aspergillus fumigatus und Faenia rectivirgula – zwei Schimmelpilzarten, die in Heu und Stroh vorkommen können und nachweislich eine bronchiale Überempfindlichkeit auslösen.
🩺 Was die Forschung zeigt
RAO ist reversibel – wenn die auslösenden Staubquellen konsequent aus der Umgebung des Pferdes entfernt werden, gehen die klinischen Symptome zurück. Genetische Untersuchungen bei europäischen Warmblütern haben zudem gezeigt, dass eine erbliche Veranlagung eine Rolle spielt – manche Pferde reagieren empfindlicher auf dieselbe Umgebung als andere.
Die häufigsten Auslöser
Die Liste der Auslöser ist lang, aber sie lässt sich auf wenige Hauptfaktoren zusammenfassen:
Staub aus Heu und Stroh – die größte und am besten erforschte Quelle. Jedes Mal wenn ein Pferd Heu frisst oder in der Box steht, atmet es Millionen von Partikeln ein: Staub, Schimmelsporen, Bakterien.
Ammoniak – entsteht beim Abbau von Urin und Kot. Bereits Konzentrationen ab etwa 10 ppm (parts per million, eine Maßeinheit für die Konzentration von Gasen in der Luft) können die empfindlichen Atemwegsschleimhäute reizen.
Schimmelpilze aus dem Futter – besonders bei schlecht getrocknetem oder zu feucht gelagertem Heu.
Pollen – bei einer speziellen Sonderform genannt SP-RAO (Summer Pasture associated RAO), bei der die Symptome paradoxerweise auf der Weide auftreten statt im Stall.
Genetische Veranlagung – manche Pferde sind grundsätzlich empfindlicher als andere, auch unter identischen Haltungsbedingungen.
Symptome erkennen – von leichtem Husten bis Dämpfigkeit
RAO entwickelt sich meist schleichend, in Schüben, mit symptomfreien Phasen zwischen den Episoden. Das macht die Früherkennung manchmal schwierig.
Frühe Anzeichen:
- Kurzer Husten zu Beginn einer Trainingseinheit
- Leicht erhöhte Atemfrequenz nach Belastung
- Gelegentlicher Husten beim Heufressen
Fortgeschrittene Anzeichen:
- Husten auch im Ruhezustand, selbst in der Box
- Nasenausfluss
- Aufgeblähte Nüstern
- Vermehrtes Schwitzen schon bei leichter Belastung
- Spürbare Leistungseinschränkung
Schwere Anzeichen (Dämpfigkeit):
- Atemnot auch im Stehen
- Sichtbare „Dampfrinne" – eine Linie entlang der Bauchmuskulatur, die durch die verstärkte Anstrengung beim Ausatmen entsteht
- Deutlich reduzierte Leistungsfähigkeit
Wichtig: Eine vollständige Heilung im medizinischen Sinne ist bei chronischen Verlaufsformen oft nicht mehr möglich – die strukturellen Veränderungen in der Lunge können irreversibel sein. Umso wichtiger ist die frühe Erkennung.
Diagnose – wie der Tierarzt RAO feststellt
Die Diagnose erfolgt nie durch bloßes Beobachten allein. Eine gründliche tierärztliche Abklärung umfasst typischerweise:
- Eine ausführliche klinische Untersuchung
- Die Bestimmung der Blutgase
- Eine Endoskopie der Atemwege (eine Untersuchung mit einer kleinen Kamera) mit anschließender Entnahme von Schleim direkt aus der Luftröhre zur Analyse
Wichtiger Hinweis: Husten – auch wenn er gelegentlich und harmlos wirkt – sollte bei Pferden niemals ignoriert werden. Eine frühzeitige tierärztliche Abklärung kann entscheidend sein, um strukturelle Schäden an der Lunge zu vermeiden oder zu verzögern.
Stallmanagement – die wichtigste Maßnahme überhaupt
Hier kommt die vielleicht wichtigste Erkenntnis der gesamten RAO-Forschung: Die Behandlung beginnt nicht beim Medikament. Sie beginnt bei der Umgebung.
Heu wässern oder bedampfen. Heu nur mit Wasser zu besprenkeln reicht nicht aus – erst vollständig getunktes oder bedampftes Heu (bei mindestens 100°C) ist ausreichend staubfrei. Wichtig zu wissen: Nasses Heu vermehrt Mikroorganismen schneller, sollte also zeitnah verfüttert werden.
Staubarme Einstreu verwenden. Stroh staubt deutlich mehr als feinere Alternativen. Späne, Pellets oder feine mineralische Einstreu binden Feuchtigkeit besser und reduzieren die Staubbelastung zusätzlich.
Konsequent ausmisten. Nasse Stellen sollten täglich vollständig entfernt werden – nicht nur abgedeckt. Stehender Urin ist die Hauptquelle für Ammoniakbildung.
Für gute Belüftung sorgen. Auch im Winter – Ammoniak ist schwerer als Luft und sammelt sich am Boden, wo das Pferd direkt einatmet.
Das Pferd beim Ausmisten und Einstreuen aus dem Stall nehmen. Die größte Staubbelastung entsteht genau bei diesen Arbeiten. Nach etwa 30 Minuten hat sich der meiste Staub wieder gelegt.
Heu nicht im Stall aufschütteln oder lagern. Auch für Nachbarboxen gilt: Wer ein Pferd mit Atemwegsproblemen hat, sollte möglichst darauf achten dass auch in der Umgebung kein zusätzlicher Staub aufgewirbelt wird.
Was bedeutet das für deinen Stallalltag?
Studien zeigen: Mit konsequentem Stallmanagement lässt sich die Schadstoffbelastung in der Atemluft um bis zu 90 Prozent reduzieren. Das ist keine kleine Verbesserung – das ist oft der entscheidende Unterschied zwischen einem Pferd das chronisch hustet und einem das beschwerdefrei lebt.
Wo Zeolith und natürliche Unterstützung ihren Platz haben
Wichtig vorweg: Zeolith heilt RAO nicht und ersetzt keine tierärztliche Behandlung. Die wissenschaftlich belegte Grundlage jeder Begleitung ist und bleibt das Stallmanagement – die Arbeit an den Ursachen, nicht nur am Symptom.
Wo Zeolith jedoch sinnvoll ergänzen kann:
Als Einstreu bindet feinporiger Zeolith Ammoniak direkt an der Quelle und hält den Boxenboden trockener – ein wichtiger Baustein zur Reduktion der Ammoniakbelastung in der Atemluft.
Innerlich verfüttert kann Zeolith dabei helfen Mykotoxine (Schimmelpilzgifte) zu binden, die über belastetes Futter aufgenommen werden – bevor sie den Körper systemisch belasten.
Bei der Stallhygiene kann eine Kombination aus trockener, ammoniakarmer Einstreu und stabilem Mikrobiom durch AM+PLUS Mikroorganismen dazu beitragen, dass sich weniger fäulnis- und schimmelfördernde Bedingungen im Stall entwickeln.
Wir sind hier bewusst zurückhaltend: Es gibt aktuell keine spezifischen, unabhängigen Studien die belegen, dass Zeolith RAO direkt behandelt oder heilt. Was es leisten kann ist, im Rahmen eines durchdachten Gesamtkonzepts – neben Heubedampfung, guter Belüftung und konsequentem Stallmanagement – eine sinnvolle Ergänzung zu sein.
Neu bei Zeolith?
Auf unserer Wissensseite erfährst du, wie das Mineral entsteht, wie es wirkt und warum Qualität entscheidend ist. → Was ist Zeolith?
FAQ – Häufige Fragen
❓ Ist RAO heilbar?
Nein, im medizinischen Sinne nicht vollständig – besonders wenn die Erkrankung schon fortgeschritten ist und strukturelle Veränderungen in der Lunge entstanden sind. RAO ist jedoch reversibel in dem Sinne, dass die Symptome deutlich zurückgehen oder ganz verschwinden können, wenn die auslösenden Faktoren konsequent aus der Umgebung entfernt werden.
❓ Kann mein Pferd mit RAO noch geritten werden?
In vielen Fällen ja – abhängig vom Schweregrad und der tierärztlichen Einschätzung. Wichtig ist die individuelle Abstimmung mit dem Tierarzt, da Belastung in akuten Schüben vermieden werden sollte.
❓ Welche Einstreu ist am besten bei RAO?
Staubarme Alternativen wie feine Späne, Pellets oder feinporige mineralische Einstreu sind staubärmer als klassisches Stroh und binden zusätzlich Feuchtigkeit und Ammoniak besser.
❓ Muss ich bei RAO komplett auf Heu verzichten?
Nicht zwingend – aber das Heu sollte konsequent gewässert oder bedampft werden, um den Staubanteil drastisch zu reduzieren. Alternativ können Heulage oder Heucobs eine staubärmere Option sein.
❓ Wie schnell zeigen Verbesserungen im Stallmanagement Wirkung?
Das ist individuell unterschiedlich. Manche Pferde zeigen bereits nach wenigen Tagen konsequenter Staubreduktion eine spürbare Verbesserung, bei anderen – besonders bei fortgeschrittenen Fällen – dauert es länger oder die Verbesserung bleibt begrenzt.
❓ Kann Zeolith RAO heilen?
Nein. Zeolith ist keine Behandlung für RAO und sollte niemals als Ersatz für tierärztliche Betreuung oder konsequentes Stallmanagement verstanden werden. Als Einstreu kann es jedoch zur klaren Reduktion der Ammoniakbelastung beitragen. Und als Futtermittelzusatz unterstützt zeolith die Reduktion von SChadstoffen und Schimmelpilzen.
Quellenverzeichnis
| Nr. | Autor/Quelle | Thema |
|---|---|---|
| 1 | Allen, K. & Franklin, S. (2007) | RAO and IAD: respiratory disease in horse revisited. In Practice, 29, 76–85 |
| 2 | Robinson, N. E. (2001) | Recurrent Airway Obstruction (Heaves), Ithaca, IVIS |
| 3 | Severe equine asthma GWAS-Studie | eQTL discovery and association with severe equine asthma (PMC) |
| 4 | Block, A. V. | Studie zur wiederkehrenden Atemwegsobstruktion des Pferdes, LMU München |
| 5 | Clarke & Madelin (1987) | Staubreduktion durch Heuwässerung |
| 6 | Zeitler-Feicht (1994) | Staubreduktion durch Stallmanagement |
| 7 | DocCheck Flexikon | Recurrent Airway Obstruction (Pferd) – veterinärmedizinisches Nachschlagewerk |
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Verdacht auf Atemwegserkrankungen bitte immer tierärztlich abklären lassen.
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