Es war in den Weinbergen. Ezra, unser LabradorRetriever, hat mit seinen Hundefreunden gespielt — so wie er das immer tut, mit vollem Einsatz, ohne Rücksicht auf Verluste. Irgendwann hat er kurz gequietscht. Kurz. Und dann weitergemacht.
Was wir nicht wussten: Er hatte sich an einem Stacheldraht aufgerissen. 20 Zentimeter lang. Offen. Und weil Ezra ein Indianer ist — Indianer kennen keinen Schmerz — hat er nur ein bisschen mehr daran geleckt als sonst. Wir haben es zu spät bemerkt.

Als wir zum Tierarzt kamen, war die Wunde bereits infiziert. Eine subkutane Infektion (wenn sich Bakterien unter der Haut ausbreiten und das Gewebe zerstören — man hört es als Knistern oder Papierrascheln unter der Haut) hatte sich ausgebreitet. Der Tierarzt hat geschimpft. Zurecht. Sofort: Operation, Narkose, Infusionen, Antibiotika. Alles auf einmal. Nach der Operation war er schwach, Schmerzmedikamente, rasiertes Bein mit Kanüle (man weiss ja nie) superliebesbedürftig, wollte immer auf meinen Schoß, daher haben wir uns schon unser Lager am Boden gemacht.

Was da in seinem kleinen Hundekörper steckte: Narkosemittel, Antibiotika, Entzündungsrückstände, Keime aus der Wunde und eine Menge Cortisol(das Stresshormon das bei Schmerz, Angst und Erschöpfung ausgeschüttet wird und das die Leber danach abbauen muss). Der Körper musste ausleiten. Und dabei haben wir Zeolith gegeben. Täglich. Konsequent. Viel gestreichelt, mehr geströmt, ihm Energie geschickt und angefangen frisch zu kochen. So schaut´s aus. Schön langsam wurde er wieder kräftiger.
Heute ist Ezra 6 Jahre alt, immer und überall dabei, die Narbe ist verheilt. Geblieben verdichtete Stellen, da wo die Narbe war, die er schleckt, die Geschichte und ich hoffe kein übertriebenes aber ein angemessenes Genauschauen. Denn den langen Schnitt haben wir einfach übersehen. Diese Geschichte hat mir sehr klar gemacht: Jede medizinische Behandlung ist ein Eingriff in den Körper. Und der Körper braucht danach Unterstützung beim Ausleiten. Und regenerieren.

