Das Heu sieht gut aus. Es riecht ordentlich. Dein Pferd frisst es ohne Zögern. Und trotzdem stimmt etwas nicht: Kotwasser, das nicht verschwindet. Ein Fell, das nicht glänzt. Wiederkehrende Verdauungsprobleme ohne klaren
Auslöser.
Mykotoxine sind eine der häufigsten und am meisten unterschätzten Ursachen für Darmprobleme beim Pferd – und sie sind mit bloßem Auge unsichtbar.
In diesem Teil der Serie schauen wir genau hin: Was sind Mykotoxine, wie kommen sie ins Futter, was machen sie im Pferdedarm – und wie kann Zeolith helfen, dieses stille Risiko abzufedern.
Was sind Mykotoxine – und wo kommen sie her?
Mykotoxine sind Giftstoffe, die von bestimmten Schimmelpilzen produziert werden. Der Name kommt aus dem Griechischen: mykes = Pilz, toxikon = Gift. Sie entstehen als Nebenprodukt des Pilzstoffwechsels, meist unter bestimmten Bedingungen: Feuchtigkeit, Wärme, schlechte Belüftung, mechanische Beschädigungen des Futters.
Das Tückische: Der Pilz selbst muss nicht mehr aktiv sein, damit die Toxine Schaden anrichten. Mykotoxine sind hitzestabil, säurestabil und chemisch sehr beständig. Sie überleben das Trocknen von Heu, das Pressen zu Pellets, sogar manche Erhitzungsverfahren. Was einmal kontaminiert ist, bleibt kontaminiert.
Und sie sind weit verbreiteter als die meisten Pferdebesitzer ahnen. Eine österreichische Studie aus dem Jahr 2023 untersuchte Weidegras und konserviertes Raufutter auf Mykotoxine und fand: Kontaminationen kommen auch in unauffälligem, frischem Aufwuchs vor – nicht nur in sichtbar verschimmeltem Futter.
Die wichtigsten Mykotoxine beim Pferd
Es gibt über 400 bekannte Mykotoxine. Für Pferde sind vor allem diese relevant:
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Mykotoxin |
Erzeuger-Pilz |
Hauptquelle |
Mögliche Folgen beim Pferd |
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Aflatoxin B1 |
Aspergillus |
Kraftfutter, Mais, Erdnüsse |
Leberschäden, Immunsuppression |
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Deoxynivalenol (DON) |
Fusarium |
Getreide, Heu bei Feuchtigkeit |
Futterverweigerung, Darmreizung, Erbrechen (selten) |
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Zearalenon (ZEA) |
Fusarium |
Heu, Getreide, Weide |
Hormonelle Störungen, Zyklusprobleme bei Stuten |
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Fumonisin B1 |
Fusarium |
Mais, Kraftfutter |
Leberschäden, Leukoenzephalomalazie (ELEM) |
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T-2 / HT-2 Toxin |
Fusarium |
Heu, Hafer, feuchtes Lager |
Schleimhautschäden, Immunschwäche |
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Ochratoxin A (OTA) |
Aspergillus, Penicillium |
Getreide, Silage |
Nierenschäden, Immunsuppression |
Besonders heimtückisch ist die Mehrfachkontamination: Studien zeigen, dass kommerzielles Pferdefutter vom deutschen Markt in fast allen untersuchten Proben gleichzeitig mehrere Mykotoxine enthält. Die einzelnen Konzentrationen lagen meist unter den kritischen Grenzwerten – aber die Kombination mehrerer Toxine kann Wirkungen verstärken, die einzeln nicht aufgetreten wären.
Was Mykotoxine im Pferdedarm anrichten
Wenn mykotoxinhaltiges Futter in den Verdauungstrakt des Pferdes gelangt, beginnt eine stille Schädigung, die sich selten als akute Vergiftung zeigt, sondern als schleichende Belastung.
- Schädigung der Darmschleimhaut
- Mykotoxine, besonders Trichothecene wie T-2 und DON, greifen direkt die Darmschleimhaut an. Sie hemmen die Proteinsynthese in den Schleimhautzellen, was die Regenerationsfähigkeit des Darmepithels reduziert. Die Darmbarriere wird durchlässiger – ein Zustand, den man als „leaky gut“ bezeichnet. Durch diese gestörte Barriere können Bakterien, Toxine und unverdaute Nahrungsbestandteile in die Blutbahn gelangen und systemische Entzündungsreaktionen auslösen.2. Destabilisierung des Mikrobioms
Das Darmmikrobiom reagiert empfindlich auf Mykotoxine. Die toxischen Substanzen verschieben das Gleichgewicht der Bakterienpopulationen: Nützliche, fibrolytische Bakterien gehen zurück, während toxintolerante Keime die Oberhand gewinnen. Das Ergebnis ist eine Dysbiose – genau das, was wir in Teil 1 und Teil 2 dieser Serie als Ausgangspunkt vieler Pferdebeschwerden beschrieben haben. - Belastung von Leber und Immunsystem
Mykotoxine, die nicht im Darm gebunden werden, gelangen über die Darmwand in den Blutkreislauf und werden in der Leber abgebaut – ein energieaufwendiger Prozess, der die Leber dauerhaft belastet. Eine Studie aus dem Jahr 2022 im Journal of Veterinary Internal Medicine untersuchte Ausbrüche von Lebererkrankungen in Pferdebeständen und fand in einem erheblichen Anteil der betroffenen Betriebe Mykotoxinkontaminationen im Heu – auch dort, wo das Heu äußerlich unauffällig war. - Chronische Niedrigbelastung – das eigentliche Problem
Die meisten Pferde erleiden keine akute Mykotoxinvergiftung. Was sie erleiden, ist eine chronische Niedrigdosisbelastung: täglich, mit jedem Heuarm, über Monate. Die Folgen sind nicht dramatisch sichtbar – aber sie akkumulieren sich. Mattes Fell, träge Verdauung, erhöhte Kolikanfälligkeit, ein Immunsystem, das nicht auf Touren kommt. Symptome, die wir in Teil 2 als Warnsignale beschrieben haben.
Woran erkenne ich problematisches Heu?• Sichtbarer Schimmel: klares Ausschlusskriterium – solches Heu nie verfüttern • Staubigkeit: hohe Sporenbelastung, auch ohne sichtbaren Pilz • Muffiger, säuerlicher oder ungewöhnlicher Geruch • Wärmeentwicklung im Ballen: Zeichen aktiver Fermentation • Dunkle Verfärbungen oder klebrige Stellen im Heuballen • Heu aus feuchten Erntejahren oder schlecht belüfteten Lagern • Vorsicht: Gutes Aussehen schließt Mykotoxinbelastung nicht aus |
Wie Zeolith gegen Mykotoxine wirkt
Hier kommt die einzigartige Eigenschaft von Klinoptilolith-Zeolith ins Spiel: seine poröse Gitterstruktur, die wie ein molekulares Sieb funktioniert.
Zeolith kann bestimmte Mykotoxine im Verdauungstrakt adsorbieren – das bedeutet, sie binden sich an die Oberfläche des Minerals und werden so gebunden durch den Darm transportiert, ohne resorbiert zu werden. Der Körper kommt mit ihnen nicht in Kontakt.
Wichtig zu verstehen ist dabei die Selektivität: Klinoptilolith bindet vor allem kleinere, polare Mykotoxine wie Aflatoxine und Trichothecene. Größere, unpolarere Toxine wie Zearalenon werden weniger effektiv gebunden. Zeolith ist kein Universaladsorbens, aber ein wirkungsvoller Baustein im Schutz des Darms.
Eine Übersichtsarbeit zu Zeolith und anderen mineralischen Toxinbindern (PMC 2020) bestätigt: Klinoptilolith zeigt in Studien an Nutztierpopulationen eine nachweisbare Reduktion der toxischen Wirkungen von Aflatoxinen und anderen Mykotoxinen – sowohl in vitro als auch im Tierversuch.
Was Zeolith kann – und was nicht
- Kann: Aflatoxin B1 und bestimmte Trichothecene im Darm adsorbieren
- Kann: Toxinbelastung der Darmschleimhaut reduzieren
- Kann: Entzündungsreaktionen im Darmbereich abpuffern
- Kann: Das Darmmilieu stabilisieren und das Mikrobiom indirekt schützen
- Kann nicht: Schlechtes Heu ersetzen – die Quelle des Problems muss behoben werden
- Kann nicht: Alle Mykotoxintypen gleich effektiv binden (Zearalenon z. B. schwächer)
- Kann nicht: Eine bereits manifeste Vergiftung heilen – das ist Aufgabe des Tierarztes.
Praktische Maßnahmen: Was du tun kannst
Die beste Strategie gegen Mykotoxine ist eine Kombination aus Prävention (Heuqualität), Reduktion der Belastung (Lagerung) und gezielter Darmunterstützung.
Heuqualität prüfen und sichern
- Heu bei der Ernte so trocken wie möglich einfahren: Richtwert unter 15 % Wassergehalt
- Gut belüftet lagern – keine eng gestapelten Ballen ohne Luftzirkulation
- Bei Verdacht auf problematisches Heu: Mykotoxintest beauftragen (Labors bieten Heuanalysen an)
- Sichtbar schimmeliges oder stark staubendes Heu sofort aussortieren
Fütterungsmanagement anpassen
- Kraftfuttermengen reduzieren: Getreide und Kraftfuttermischungen sind häufige Mykotoxinquellen
- Futterchargen wechseln, wenn Symptome auftreten – auch wenn das Heu optisch einwandfrei ist
- Futterplätze sauber halten: Feuchtigkeit und Futterreste begünstigen Pilzwachstum im Futtertrog
Darmunterstützung mit Zeolith
- Zeolith als täglichen Futterzusatz geben: bindet Toxine bereits im Darmtrakt, bevor sie resorbiert werden
- Besonders sinnvoll in der Herbst- und Winterperiode, wenn Heu aus feuchten Ernten verfüttert wird
- In Kombination mit ausreichend Raufutter und Bewegung wirkt Zeolith als Teil eines ganzheitlichen Darmschutzes
Zur genauen Dosierung: Zeolith füttern bei Pferden – Dosierung, Anwendung & Tipps aus der Praxis auf diesem Blog.
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Das nimmst du aus diesem Artikel mit
- Mykotoxine sind unsichtbar, hitzestabil und weitverbreitet – auch in optisch gutem Heu
- Chronische Niedrigdosisbelastung ist das eigentliche Problem – nicht die akute Vergiftung
- Mykotoxine schädigen Darmschleimhaut, Mikrobiom und Leber schleichend
- Zeolith kann bestimmte Mykotoxine im Darmtrakt adsorbieren und ihre Wirkung abschwächen
- Heuqualität ist die wichtigste Stellschraube – Zeolith ergänzt, ersetzt sie nicht
- In Teil 4 schauen wir uns die Forschungslage zu Zeolith und dem Mikrobiom genauer an
Häufig gestellte Fragen
★ Kann ich Mykotoxine im Heu selbst erkennen?
Sichtbaren Schimmel und starke Staubigkeit kann man erkennen – aber viele Mykotoxinkontaminationen sind unsichtbar. Wenn du Verdacht hast, bieten Futterlabors Heuanalysen auf gängige Mykotoxine an. Das ist der einzige sichere Weg.
★ Mein Pferd hat seit Wochen Kotwasser und das Heu sieht gut aus. Kann Mykotoxin die Ursache sein?
Ja. Gutes Aussehen schließt Mykotoxinbelastung nicht aus. Wenn andere Ursachen ausgeschlossen wurden, ist ein Heuwechsel und ein Toxinbinderversuch (z. B. mit Zeolith) ein sinnvoller nächster Schritt – immer in Absprache mit dem Tierarzt.
★ Ist Zeolith das Gleiche wie andere Toxinbinder?
Nein. Es gibt verschiedene mineralische Adsorbentien: Bentonit, Montmorillonit, HSCAS und Klinoptilolith-Zeolith. Sie unterscheiden sich in Porenstruktur, Bindungskapazität und Selektivität. Zeolith ist nicht das stärkste Adsorbens für alle Mykotoxine, hat aber ein günstiges Sicherheitsprofil und ist in der Langzeitgabe bei Pferden gut erprobt.
★ Kann ich Zeolith das ganze Jahr über geben?
Ja. Zeolith kann als dauerhafter Futterzusatz gegeben werden. Besonders sinnvoll ist es in Perioden mit höherer Mykotoxinbelastung: Herbst und Winter (laufendes Heu aus dem Erntejahr), Frühjahr (Übergangsfutter), und bei bekannt feuchten Lagerbedingungen.
★ Was mache ich, wenn ich eine akute Vergiftung vermute?
Sofort Futter wechseln und den Tierarzt hinzuziehen. Akute Mykotoxinvergiftungen – erkennbar an plötzlichen neurologischen Symptomen, starkem Gewichtsverlust oder Leberversagen – sind tiermedizinische Notfälle.
Quellen:
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[1] Changes in the nutrient profile and the load of mycotoxins, phytoestrogens, and pesticides in horse pastures during spring and summer in Austria Son, V. et al. · 2023 · Journal of Equine Veterinary Science Österreichische Feldstudie, die Weidegras und konserviertes Raufutter im Jahresverlauf auf Mykotoxine, Phytoöstrogene und Pestizide untersuchte. Belegt, dass Mykotoxinkontaminationen auch in frischem, unauffälligem Aufwuchs und in Heu ohne sichtbaren Schimmel auftreten. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37925115/ |
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[2] Association between forage mycotoxins and liver disease in horses Durham, A. E. · 2022 · Journal of Veterinary Internal Medicine, peer-reviewed Klinische Studie, die Ausbrüche von Lebererkrankungen in Pferdebeständen mit Mykotoxinkontaminationen im Heu in Verbindung bringt – auch in Betrieben, wo das Heu äußerlich einwandfrei wirkte. Untersuchte 54 verschiedene Mykotoxine mittels LC-MS/MS-Analyse. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9308415/ |
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[3] The role of natural and synthetic zeolites as feed additives on the prevention and/or treatment of certain farm animal diseases: A review Mehrere Autoren · 2020 · Animals (MDPI), peer-reviewed, Open Access Umfassende Übersichtsarbeit zu Zeolith (inkl. Klinoptilolith) als Futterzusatz. Fasst Studien zur Mykotoxinbindung zusammen, diskutiert In-vitro- und In-vivo-Nachweise und benennt klar die Grenzen: Wirksamkeit ist toxinspezifisch und nicht universal. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7106472/ |
Mehr aus der Serie: Darm & Entgiftung beim Pferd
• Teil 1: Der Darm des Pferdes – wie er wirklich funktioniert
• Teil 2: Zeichen, dass dein Pferd Darmprobleme hat – 12 Warnsignale
• Teil 3: Mykotoxine im Pferdedarm – das stille Risiko im Heu ← du bist hier
• Teil 4: Zeolith und das Mikrobiom – was die Forschung sagt
• Teil 5: Darmkur für Pferde: Schritt-für-Schritt-Programm mit Zeolith [erscheint demnächst]
Weiter in der Serie →
Teil 4: Zeolith und das Mikrobiom – was die Forschung sagt
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→ Schadstoffe im Pferdefutter→ Zeolith - alles was du bei der Fütterung bei Pferden wissen musst: Q&A und Ratgeber

